Man kann viel über den typischen Canario sagen. Aber wirklich verstehen kann man ihn erst, wenn man ihm zuhört – und ihm begegnet.
Der Canario – mehr als ein Lebensgefühl
Wenn man über den typischen Canario spricht, denkt man oft an Gelassenheit, Freundlichkeit und dieses berühmte „tranquilo“.
Doch so einfach ist es nicht.
Schon die Sprache verrät, dass es den einen Canario gar nicht gibt.
Das Spanisch auf den Kanaren klingt anders – weicher, schneller, manchmal fast verschluckt.
Wörter werden verkürzt, Silben verschwinden, und je nach Insel hört es sich wieder ein Stück anders an.
Ein Gespräch in Teneriffa klingt nicht wie eines auf Gran Canaria, und in La Palma schon wieder anders.
Auch die Menschen selbst sind nicht gleich.
Jede Insel hat ihren eigenen Charakter.
Teneriffa wirkt oft lebendig, gemischt, voller Gegensätze.
Im Norden ruhiger, im Süden geschäftiger.
Auf kl
...
Man kann viel über den typischen Canario sagen. Aber wirklich verstehen kann man ihn erst, wenn man ihm zuhört – und ihm begegnet.
Der Canario – mehr als ein Lebensgefühl
Wenn man über den typischen Canario spricht, denkt man oft an Gelassenheit, Freundlichkeit und dieses berühmte „tranquilo“.
Doch so einfach ist es nicht.
Schon die Sprache verrät, dass es den einen Canario gar nicht gibt.
Das Spanisch auf den Kanaren klingt anders – weicher, schneller, manchmal fast verschluckt.
Wörter werden verkürzt, Silben verschwinden, und je nach Insel hört es sich wieder ein Stück anders an.
Ein Gespräch in Teneriffa klingt nicht wie eines auf Gran Canaria, und in La Palma schon wieder anders.
Auch die Menschen selbst sind nicht gleich.
Jede Insel hat ihren eigenen Charakter.
Teneriffa wirkt oft lebendig, gemischt, voller Gegensätze.
Im Norden ruhiger, im Süden geschäftiger.
Auf kleineren Inseln spürt man die Nähe noch intensiver, das Miteinander noch direkter.
Und doch gibt es etwas, das viele Canarios verbindet.
Eine Art, dem Leben zu begegnen, die weniger von Tempo und mehr von Gefühl geprägt ist.
Zeit wird hier nicht nur gemessen – sie wird erlebt.
Gespräche haben ihren Raum.
Begegnungen entstehen nebenbei.
Und oft ist das, was zwischen zwei Terminen passiert, wichtiger als der Termin selbst.
Man versteht das nicht sofort.
Und schon gar nicht im Urlaub.
Ich selbst bin schon früh mit Canarios in Kontakt gekommen.
Mein Onkel und meine Tante sowie meine Großeltern verbrachten viel Zeit auf Teneriffa, lange bevor die Insel für viele zum Sehnsuchtsort wurde.
Und dann war da Lorenzo.
Mein Onkel und meine Tante lernten ihn in den frühen 70er-Jahren in Bajamar im Hotel Seaside kennen.
Aus einer Begegnung wurde eine Freundschaft – und aus dieser Freundschaft wurde für mich etwas, das ich erst viel später wirklich begreifen konnte.
Ich lernte Lorenzo 1978 kennen, bei seinem ersten Besuch in Deutschland.
Ich erinnere mich noch genau an diesen Moment – und daran, wie wir zusammen Fußball gespielt haben.
Für mich war er damals einfach ein besonderer Mensch.
Offen, herzlich, anders.
Lorenzo lebte in Tegueste, arbeitete an der Universität und war nebenbei Trainer einer Jugendmannschaft.
Er hatte diese ruhige, natürliche Art, die man nicht erklären kann – aber sofort spürt.
Und so entstand über die Jahre auch zwischen uns eine Freundschaft, die immer wieder auflebte, wenn er nach Deutschland kam.
1999 war ich dann zum ersten Mal selbst auf Teneriffa – zusammen mit meiner damaligen Freundin.
Und natürlich trafen wir Lorenzo.
Rückblickend kann ich sagen:
Das war der Moment, in dem sich etwas verändert hat.
Denn Lorenzo hat uns nicht nur die Insel gezeigt.
Er hat uns sein Teneriffa gezeigt.
Keine Postkartenorte.
Keine typischen Touristenrouten.
Sondern kleine Ecken, versteckte Wege, Guachinches, Gespräche mit Einheimischen.
Orte, die man nicht findet, wenn man nur sucht – sondern nur, wenn jemand sie mit einem teilt.
Durch ihn habe ich das ursprüngliche Teneriffa kennengelernt.
Und mit ihm auch das, was man vielleicht am ehesten „den Canario“ nennen kann.
Nicht laut.
Nicht aufgesetzt.
Sondern echt.
Eine Art zu leben, die nicht davon geprägt ist, alles zu planen, sondern Dinge entstehen zu lassen.
Eine Selbstverständlichkeit im Umgang mit Menschen.
Eine Offenheit, die nicht erklärt werden muss.
Und vielleicht auch eine Fähigkeit, das Leben so zu nehmen, wie es kommt – ohne dabei gleichgültig zu werden.
Viele Jahre später wurde mir klar:
Lorenzo war für mich nie einfach nur ein Freund.
Er war mein Zugang zu dieser Insel.
Der Grund, warum ich mich in Teneriffa verliebt habe.
Nicht in die Landschaft – sondern in das Gefühl dahinter.
Lorenzo ist 2021 verstorben.
Und trotzdem ist er noch da.
In den Orten, die er uns gezeigt hat.
In den Erinnerungen.
Und in den Blick auf diese Insel, den ich ohne ihn wahrscheinlich nie gehabt hätte.
Wenn mich heute jemand fragt, wie der typische Canario ist,
dann denke ich nicht an Eigenschaften.
Ich denke an Lorenzo.
Und daran, dass man manche Dinge nicht erklären kann.
Sondern nur erleben.
Gedanke der Woche
Den Canario versteht man nicht, indem man über ihn spricht – sondern indem man ihm zuhört.
Vielleicht kennt ihr auch jemanden, der euch eine Insel, ein Land oder sogar das Leben mit anderen Augen gezeigt hat.
Dann schreibt es doch gerne in die Kommentare.
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Bernd Weisser
Kommentare zum Beitrag
🌴 Der Canario – mehr als ein Lebensgefühl - Was man erst versteht, wenn man ihm wirklich begegnet
Man kann viel über den typischen Canario sagen. Aber wirklich verstehen kann man ihn erst, wenn man ihm zuhört – und ihm begegnet.
Der Canario – mehr als ein Lebensgefühl
...Wenn man über den typischen Canario spricht, denkt man oft an Gelassenheit, Freundlichkeit und dieses berühmte „tranquilo“.
Doch so einfach ist es nicht.
Schon die Sprache verrät, dass es den einen Canario gar nicht gibt.
Das Spanisch auf den Kanaren klingt anders – weicher, schneller, manchmal fast verschluckt.
Wörter werden verkürzt, Silben verschwinden, und je nach Insel hört es sich wieder ein Stück anders an.
Ein Gespräch in Teneriffa klingt nicht wie eines auf Gran Canaria, und in La Palma schon wieder anders.
Auch die Menschen selbst sind nicht gleich.
Jede Insel hat ihren eigenen Charakter.
Teneriffa wirkt oft lebendig, gemischt, voller Gegensätze.
Im Norden ruhiger, im Süden geschäftiger.
Auf kl
Man kann viel über den typischen Canario sagen. Aber wirklich verstehen kann man ihn erst, wenn man ihm zuhört – und ihm begegnet.
Der Canario – mehr als ein Lebensgefühl
Wenn man über den typischen Canario spricht, denkt man oft an Gelassenheit, Freundlichkeit und dieses berühmte „tranquilo“.
Doch so einfach ist es nicht.
Schon die Sprache verrät, dass es den einen Canario gar nicht gibt.
Das Spanisch auf den Kanaren klingt anders – weicher, schneller, manchmal fast verschluckt.
Wörter werden verkürzt, Silben verschwinden, und je nach Insel hört es sich wieder ein Stück anders an.
Ein Gespräch in Teneriffa klingt nicht wie eines auf Gran Canaria, und in La Palma schon wieder anders.
Auch die Menschen selbst sind nicht gleich.
Jede Insel hat ihren eigenen Charakter.
Teneriffa wirkt oft lebendig, gemischt, voller Gegensätze.
Im Norden ruhiger, im Süden geschäftiger.
Auf kleineren Inseln spürt man die Nähe noch intensiver, das Miteinander noch direkter.
Und doch gibt es etwas, das viele Canarios verbindet.
Eine Art, dem Leben zu begegnen, die weniger von Tempo und mehr von Gefühl geprägt ist.
Zeit wird hier nicht nur gemessen – sie wird erlebt.
Gespräche haben ihren Raum.
Begegnungen entstehen nebenbei.
Und oft ist das, was zwischen zwei Terminen passiert, wichtiger als der Termin selbst.
Man versteht das nicht sofort.
Und schon gar nicht im Urlaub.
Ich selbst bin schon früh mit Canarios in Kontakt gekommen.
Mein Onkel und meine Tante sowie meine Großeltern verbrachten viel Zeit auf Teneriffa, lange bevor die Insel für viele zum Sehnsuchtsort wurde.
Und dann war da Lorenzo.
Mein Onkel und meine Tante lernten ihn in den frühen 70er-Jahren in Bajamar im Hotel Seaside kennen.
Aus einer Begegnung wurde eine Freundschaft – und aus dieser Freundschaft wurde für mich etwas, das ich erst viel später wirklich begreifen konnte.
Ich lernte Lorenzo 1978 kennen, bei seinem ersten Besuch in Deutschland.
Ich erinnere mich noch genau an diesen Moment – und daran, wie wir zusammen Fußball gespielt haben.
Für mich war er damals einfach ein besonderer Mensch.
Offen, herzlich, anders.
Lorenzo lebte in Tegueste, arbeitete an der Universität und war nebenbei Trainer einer Jugendmannschaft.
Er hatte diese ruhige, natürliche Art, die man nicht erklären kann – aber sofort spürt.
Und so entstand über die Jahre auch zwischen uns eine Freundschaft, die immer wieder auflebte, wenn er nach Deutschland kam.
1999 war ich dann zum ersten Mal selbst auf Teneriffa – zusammen mit meiner damaligen Freundin.
Und natürlich trafen wir Lorenzo.
Rückblickend kann ich sagen:
Das war der Moment, in dem sich etwas verändert hat.
Denn Lorenzo hat uns nicht nur die Insel gezeigt.
Er hat uns sein Teneriffa gezeigt.
Keine Postkartenorte.
Keine typischen Touristenrouten.
Sondern kleine Ecken, versteckte Wege, Guachinches, Gespräche mit Einheimischen.
Orte, die man nicht findet, wenn man nur sucht – sondern nur, wenn jemand sie mit einem teilt.
Durch ihn habe ich das ursprüngliche Teneriffa kennengelernt.
Und mit ihm auch das, was man vielleicht am ehesten „den Canario“ nennen kann.
Nicht laut.
Nicht aufgesetzt.
Sondern echt.
Eine Art zu leben, die nicht davon geprägt ist, alles zu planen, sondern Dinge entstehen zu lassen.
Eine Selbstverständlichkeit im Umgang mit Menschen.
Eine Offenheit, die nicht erklärt werden muss.
Und vielleicht auch eine Fähigkeit, das Leben so zu nehmen, wie es kommt – ohne dabei gleichgültig zu werden.
Viele Jahre später wurde mir klar:
Lorenzo war für mich nie einfach nur ein Freund.
Er war mein Zugang zu dieser Insel.
Der Grund, warum ich mich in Teneriffa verliebt habe.
Nicht in die Landschaft – sondern in das Gefühl dahinter.
Lorenzo ist 2021 verstorben.
Und trotzdem ist er noch da.
In den Orten, die er uns gezeigt hat.
In den Erinnerungen.
Und in den Blick auf diese Insel, den ich ohne ihn wahrscheinlich nie gehabt hätte.
Wenn mich heute jemand fragt, wie der typische Canario ist,
dann denke ich nicht an Eigenschaften.
Ich denke an Lorenzo.
Und daran, dass man manche Dinge nicht erklären kann.
Sondern nur erleben.
Gedanke der Woche
Den Canario versteht man nicht, indem man über ihn spricht – sondern indem man ihm zuhört.
Vielleicht kennt ihr auch jemanden, der euch eine Insel, ein Land oder sogar das Leben mit anderen Augen gezeigt hat.
Dann schreibt es doch gerne in die Kommentare.
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