• Die Kolumne von Bernd Weisser

Neu anfangen mit 50+ – Mut, Zweifel und ein zweites Leben

Ein Neuanfang kennt kein Alter

Es gibt diesen Moment im Leben, in dem man merkt:
So wie bisher soll es nicht für immer weitergehen.
Bei vielen kommt dieser Gedanke irgendwann nach dem fünfzigsten Geburtstag.
Der Alltag läuft zwar – aber irgendwie fühlt er sich nicht mehr richtig an. Man hat gearbeitet, Verantwortung getragen, Pläne verfolgt. Und plötzlich stellt man sich die Frage:
War das schon alles?

Bei uns begann alles an einem ganz unspektakulären Ort:
auf unserem Hinterhof in Deutschland.
Wir saßen auf der Treppe, ein Glas Sekt in der Hand, und sprachen über das Leben, über Wünsche und über Dinge, die man vielleicht irgendwann einmal machen möchte.
Irgendwann fiel dieser Satz:
„Wie wäre es eigentlich, wenn wir wirklich nach Teneriffa gehen?“
Zuerst war es nur ein Gedanke.
So einer, der zwischen zwei Schlucken Sekt entsteht und den man im Alltag schnell wieder vergisst.
Aber dieser Gedanke blieb.

Der erste Versuch
Was viele nicht wissen:
Unsere Auswanderung war kein geradliniger Weg.
Wir brauchten tatsächlich zwei Anläufe, um wirklich auf Teneriffa anzukommen.
Beim ersten Versuch dachten wir noch, vieles würde sich unterwegs klären.

Heute weiß ich:
Auswandern braucht nicht nur Mut – sondern auch Vorbereitung.
Man kann nicht einfach nur einen Traum haben und hoffen, dass sich alles von selbst ergibt.
Ein neues Leben braucht auch Struktur, Planung und manchmal eine Portion Geduld.
Zwei Jahre Vorbereitung.
Nach unserem ersten Versuch gingen wir noch einmal zurück nach Deutschland.
Im Rückblick waren diese zwei Jahre vielleicht die wichtigste Zeit unserer ganzen Auswanderung.
Wir haben sie genutzt, um uns wirklich vorzubereiten.
Wir haben begonnen, unsere Schmuck- und Ledermanufaktur aufzubauen.
Ich habe meinen Pflegedienst strukturiert vorbereitet, damit der Neustart auf der Insel funktionieren kann.

Und dann kam noch jemand in unser Leben, der heute zu unserer Geschichte dazugehört.
Unser Bulli – ein Volkswagen California Ocean.
Wir haben sie  „Helga“ genannt.
Mit ihr begann für uns ein Stück Freiheit auf Rädern – und sie wurde Teil unseres Plans für ein anderes Leben.
Irgendwann saßen wir wieder zusammen und merkten:
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen.
Der zweite Anlauf
Beim zweiten Versuch war vieles anders.
Wir waren realistischer.
Strukturierter.
Und vor allem ruhiger.
Wir wussten jetzt, was auf uns zukommt – und was wir wirklich wollten.

Heute leben wir tatsächlich auf Teneriffa – einer Insel, die für viele nur ein Urlaubsort ist, für uns aber ein Zuhause geworden ist.
Alltag statt Postkarten
Heute fahre ich über die Insel zu meinen Patienten.
Nicht zum Strand.
Nicht zum Urlaub.
Sondern zum ganz normalen Alltag.
Manchmal sitze ich im Auto, schaue auf das Meer oder auf die Berge der Insel und denke daran, wie weit dieser Weg eigentlich war.
Nicht nur geografisch.
Sondern auch im Kopf.
Ein zweites Leben
Viele Menschen glauben, mit fünfzig sei es zu spät für große Veränderungen.
Ich glaube inzwischen das Gegenteil.
Manchmal beginnt genau dann eine Zeit, in der man sich ehrlich fragt:
Was möchte ich wirklich noch erleben?
Und manchmal führt diese Frage an Orte, mit denen man früher nie gerechnet hätte.
Zum Beispiel auf eine Insel im Atlantik.
Und manchmal braucht es einfach zwei Anläufe, bis ein Traum wirklich Wirklichkeit wird, und wenn dein Herz dir sagt, dass es Zeit ist zu gehen, dann hör darauf.
Es muss nicht Teneriffa sein – aber es sollte ein Ort sein, an dem du wieder aufatmen kannst.

Und dafür ist es niemals zu spät.

Gedanke der Woche
Manche Träume brauchen keinen perfekten Plan.
Aber sie brauchen Menschen,
die den Mut haben, es noch einmal zu versuchen.

Geschichten wie unsere sind übrigens gar nicht so selten, wie man vielleicht denkt.
Immer wieder begegnen uns Menschen, die den Mut haben, ihr Leben noch einmal neu zu sortieren. Menschen, die trotz Zweifel, Verantwortung oder schwieriger Umstände sagen: Wir versuchen es trotzdem.
Vor kurzem haben wir für unseren YouTube-Kanal Auswandern 2.0 Melanie interviewt, deren Geschichte uns  sehr berührt hat.
Melanie ist ebenfalls mit Anfang fünfzig nach Teneriffa ausgewandert – gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem kranken Mann. Keine leichte Entscheidung, sondern eine, die viel Mut und Organisation verlangt hat.
Ihr Weg zeigt, dass ein Neuanfang nicht immer nur aus Fernweh entsteht.
Manchmal entsteht er aus dem Wunsch, für seine Familie einen besseren Weg zu finden.
Wer ihre Geschichte hören möchte, findet das Interview .

Es ist eine dieser Geschichten, die zeigen:
Ein neues Leben beginnt nicht immer mit einem perfekten Plan.
Manchmal beginnt es einfach mit der Entscheidung, nicht stehen zu bleiben.

Viele der Texte, die ich für Teneriffa Inside schreibe, entstehen aus dem echten Leben – aus Erfahrungen, Entscheidungen, Umwegen und Neuanfängen.
Auch diese Kolumne ist sehr persönlich. Und vielleicht erkennen sich gerade deshalb viele von euch in einzelnen Gedanken oder Momenten wieder.

Deshalb meine Einladung an euch:
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Mich interessiert besonders:
Habt ihr in eurem Leben auch noch einmal ganz neu angefangen?
Gab es einen Moment, in dem ihr gespürt habt: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt?
Und was hat euch dabei mehr begleitet – Mut, Zweifel oder beides zugleich?

Sonnige Grüße von Teneriffa.

Hinweis: Die in dieser Kolumne geäußerten Ansichten und Meinungen sind allein die des/der Autors/Autorin und spiegeln nicht notwendigerweise die Ansichten unserer Redaktion wider. Wir übernehmen keine Verantwortung oder Haftung für den Inhalt dieser Kolumne.
Die in der Kolumne formulierten Meinungen geben ausschließlich die Auffassung des jeweiligen Verfassers wieder.

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