„Gleich“ ist auf Teneriffa kein Zeitpunkt. Es ist ein Test für die Gelassenheit.
Wenn der Handwerker sagt: „Gleich…“
In Deutschland ist „gleich“ eine ziemlich klare Ansage.
Fünf Minuten. Vielleicht zehn.
Auf Teneriffa hingegen ist „gleich“ ein dehnbarer Begriff.
So dehnbar wie ein alter Gummiring.
Er kann halten.
Oder irgendwann einfach loslassen.
„Ich komme gleich.“
Das kann bedeuten:
Ich stehe schon im Auto.
Oder: Ich trinke noch einen Kaffee.
Oder: Ich habe noch zwei andere Baustellen.
Oder: Heute eher nicht. Aber im Herzen bin ich schon unterwegs.
Nicole und ich haben diese Lektion auf sehr praktische Weise gelernt.
Nicht bei einem tropfenden Wasserhahn.
Sondern bei etwas, das für meinen Pflegedienst existenziell ist:
Ein zweites Auto.
Wir dachten, das geht schnell über die Bühne.
Auto ausgesucht.
Bezahlt.
Alles gut.
Ein klassischer Fall von: Erledigt.
Vier Wochen später:
Die Öllampe leuchtet.
„Ach, wird schon nichts sein.“
Dachten wir.
Dann kam der Moment, in dem aus „wird schon“ ein „oh oh“ wurde:
Motor trocken gelaufen.
Totalschaden.
Auto kaputt.
Zum Glück: Garantie.
Ein kleines Wort mit großer Bedeutung.
Das Autohaus sagte:
„Wir kommen gleich und schleppen ihn ab.“
Aus „gleich“ wurden zwei Tage.
Wir bekamen einen Leihwagen.
Nicht ideal, aber immerhin mobil – was für meinen Pflegedienst keine Kleinigkeit ist.
Ein paar Tage später dann die nächste Nachricht:
Auto lässt sich nicht reparieren.
Okay.
Dann eben ein anderes Fahrzeug.
Drei Tage später:
Motorblock-Leuchte.
Katalysator kaputt.
Wieder.
Wieder Leihwagen.
Wieder die Worte:
„Dauert nicht lange.“
Und wieder vergingen Tage.
In solchen Momenten merkt man, wie sehr man als Deutscher auf Planung, Kontrolle und Verlässlichkeit getrimmt ist.
Und wie sehr die Insel einem sagt:
Du kannst planen.
Aber die Insel entscheidet.
Natürlich war das nervig.
Natürlich waren wir genervt.
Und ja – zwischendurch auch einfach nur müde davon, immer wieder zu improvisieren.
Aber irgendwo zwischen Leihwagen Nummer zwei und der nächsten „gleich“-Zusage haben Nicole und ich gemerkt:
Wir lernen gerade eine andere Art von Geduld.
Keine freiwillige.
Sondern eine, die einem das Leben beibringt.
Ich brauche Verlässlichkeit für meine Patienten.
Da geht es nicht um Bequemlichkeit.
Da geht es um Menschen, die auf mich warten.
Und genau deshalb fühlt sich jedes „gleich“ manchmal an wie ein kleiner Stresstest.
Und trotzdem:
Wir lernen, damit umzugehen.
Mit Humor.
Mit tiefem Durchatmen.
Und mit der leisen Hoffnung, dass es dieses Mal wirklich…
gleich ist.
Wir hoffen jetzt einfach, dass alles gut ist.
Dass das Auto fährt.
Und dass wir eine gute Fahrt haben.
Nicht nur auf der Straße.
Sondern auch im Kopf.
Denn vielleicht ist das die größte Lektion:
Auf Teneriffa fährt man nicht nur ein Auto.
Man fährt auch eine andere Haltung zum Leben.
Gedanke der Woche:
Auf Teneriffa ist „gleich“ kein Versprechen. Es ist eine Hoffnung.
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