Teneriffa zeigt sich gern von seiner hellsten Seite. Doch wer hier lebt, weiß: Zwischen Sonne und Meer gibt es auch Schatten. Und manchmal erzählen gerade sie die ehrlichsten Geschichten.
Schatten unter Palmen
Teneriffa ist hell.
Nicht nur wegen der Sonne, sondern wegen der Bilder, die wir von dieser Insel im Kopf tragen:
Palmen, Meer, Leichtigkeit. Ein Ort, an dem das Leben einfacher scheint.
Doch wer hier lebt, lernt schnell: Die Sonne scheint nicht überall hin.
Und genau dort, im Schatten, begegnet man dem echten Leben.
Ich sehe diesen Schatten oft auf dem Weg zu meinen Patienten.
Morgens, wenn die Insel noch leise ist. Wenn Rollläden halb geschlossen sind und die Geschichten hinter den Fassaden warten.
Da ist diese eine Dame.
Ihr Mann ist plötzlich verstorben – ohne Vorwarnung, mitten aus dem Leben gerissen.
Als ich sie kennenlernte, war da kaum noch Hoffnung. Nur Stille, Traurigkeit, dieses schwere Schweigen, das entsteht, wenn ein ganzes Leben von einem Moment auf den anderen fehlt.
Wochenlang war alles grau für sie.
Die Sonne draußen schien nichts zu ändern.
Und dann, ganz langsam, fast unmerklich, kam etwas zurück.
Ein erstes Lächeln.
Ein Satz wie: „Heute habe ich das Fenster wieder geöffnet.“
Ein kleiner Spaziergang.
Kein Neubeginn – aber ein Weitergehen.
Lebensmut kommt nicht laut zurück.
Er setzt sich leise neben einen, genau dort, wo der Schmerz wohnt.
Es gibt aber auch Schatten, die bleiben schwer zu verstehen.
Eine Bekannte von mir hatte mich eine Zeit lang bei einem Patienten unterstützt.
Ein warmherziger Mensch, hilfsbereit, aufmerksam, immer da.
Und dann war sie plötzlich nicht mehr da.
Sie hat sich entschieden, aus dem Leben zu gehen.
Man sucht nach Erklärungen.
Man findet keine.
Diese Geschichte begleitet mich bis heute.
Nicht als Frage nach dem „Warum“, sondern als Erinnerung daran, wie wenig wir manchmal sehen von dem, was Menschen in sich tragen.
Teneriffa ist nicht nur Sonne.
Es ist auch Trauer, Abschied, Überforderung – genauso wie überall sonst.
Nur stehen hier Palmen daneben, während das Leben schwer wird.
Und vielleicht ist genau das die größte Wahrheit dieser Insel:
Dass Licht und Schatten nebeneinander existieren dürfen.
Dass Hoffnung wachsen kann – und dass Verlust manchmal einfach bleibt.
Wenn ich unter Palmen sitze, denke ich oft daran.
Dass sie nicht nur Schatten spenden, sondern auch Halt.
Und dass das echte Leben nicht im perfekten Licht stattfindet, sondern dort, wo wir einander aushalten.
Im Schatten.
Gemeinsam.
Gedanke der Woche
Der Schatten erzählt keine schönen Geschichten – aber ehrliche.
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