
Damals hätte ich wahrscheinlich zugestimmt.
Ein neues Leben beginnt nicht an dem Tag, an dem man mit der Fähre auf der Insel ankommt. Es beginnt ganz langsam. Fast unbemerkt.
Man wandert nicht einfach aus.
Man verändert sich.
Am Anfang vergleicht man noch alles.
Die Brötchen.
Die Öffnungszeiten.
Die Bürokratie.
Den Verkehr.
Man sagt oft: „In Deutschland war das so...“
Irgendwann merkt man, dass dieser Satz immer seltener wird.
Nicht, weil Deutschland unwichtig geworden ist.
Sondern weil Teneriffa anfängt, sich wie Zuhause anzufühlen.
Heute denke ich nicht mehr darüber nach, dass der Teide am Horizont zu sehen ist oder dass die Sonne fast jeden Tag scheint.
So wie früher unser Platz vor der Scheune in Deutschland einfach selbstverständlich war, ist heute die Insel zu unserem Alltag geworden.
Veränderung passiert leise.
Man kennt die Nachbarn beim Namen.
Man weiß, in welchem kleinen Laden man genau das bekommt, was man sucht.
Man freut sich über den ersten Regen nach langer Trockenheit.
Und irgendwann merkt man, dass man nicht mehr zwischen Urlaub und Alltag unterscheidet.
Ich erlebe das jeden Tag in meinem Pflegedienst.
Wenn ich morgens zu meinen Patienten fahre, denke ich nicht mehr: „Ich fahre über Teneriffa.“
Ich fahre einfach zur Arbeit.
Diese Insel ist längst keine Urlaubskulisse mehr.
Sie ist unser Zuhause geworden.
Deutschland wird trotzdem immer ein Teil meines Lebens bleiben.
Nicht wegen der Orte.
Sondern wegen der Erinnerungen.
Wegen der Traditionen, mit denen ich aufgewachsen bin.
Wegen der Redewendungen, die mir ganz automatisch über die Lippen kommen.
Wegen bestimmter Gerüche oder eines Liedes, das mich plötzlich viele Jahre zurückversetzt.
Viele von ihnen leben heute nicht mehr.
Aber Erinnerungen brauchen keinen festen Wohnsitz.
Sie reisen mit.
Oft werde ich gefragt, warum wir Deutschland verlassen haben.
Die Antwort ist gar nicht so einfach.
Es war nicht nur ein einzelner Grund.
Wir hatten zunehmend das Gefühl, dass sich Deutschland verändert hatte – gesellschaftlich, politisch und im täglichen Miteinander.
Es war irgendwann nicht mehr das Land, in dem wir uns langfristig gesehen haben.
Wir sind nicht gegen etwas ausgewandert.
Wir sind für etwas ausgewandert.
Für mehr Ruhe.
Mehr Lebensqualität.
Mehr Zeit.
Und vielleicht auch für ein Leben, das sich wieder mehr nach uns anfühlt.
Natürlich gibt es auch hier Tage, an denen nicht alles leicht ist.
Wenn die TF-1 wieder einmal stillsteht.
Wenn Behördengänge Geduld verlangen.
Oder wenn das Leben auch auf Teneriffa seine schweren Seiten zeigt.
Aber genau das macht Heimat aus.
Sie besteht nicht nur aus den schönen Tagen.
Sondern auch aus den ganz normalen.
Aus den Tagen, an denen man arbeitet, einkauft, mit den Nachbarn plaudert, mit unseren beiden Hunden unterwegs ist oder nach einem langen Tag einfach auf der Terrasse sitzt und den Abend langsam kommen lässt.
Früher dachte ich, Auswandern bedeutet, einen Ort hinter sich zu lassen.
Heute glaube ich, Auswandern bedeutet, einen neuen Platz in sich selbst zu finden.
Und vielleicht ist das die größte Überraschung.
Nicht, dass sich das Leben verändert.
Sondern dass man selbst es tut.
„Heimat ist nicht nur der Ort, an dem du geboren wurdest. Heimat ist der Ort, an dem du morgens aufwachst und nicht mehr darüber nachdenkst, wo du bist.“
Viele von euch begleiten uns schon seit unserer Auswanderung nach Teneriffa.
Fühlt ihr euch dort, wo ihr heute lebt, wirklich zu Hause?
Oder gibt es einen Ort, an dem euer Herz immer bleiben wird?
Lasst uns in den Kommentaren darüber sprechen. Vielleicht inspirieren eure Erfahrungen auch andere Leser.
🌴 Wann wird aus einem Ort eigentlich Heimat?
Darüber habe ich in den letzten Tagen viel nachgedacht.
Vor zwei Jahren sind wir mit der Fähre nach Teneriffa gekommen. Wir dachten damals, wir würden einfach in ein anderes Land ziehen. Heute wissen wir: Die größte Reise fand gar nicht auf der Landkarte statt – sondern in uns selbst.
Mit der Zeit verändern sich Gewohnheiten, Prioritäten und manchmal sogar der Blick auf das Leben. Man nimmt Erinnerungen mit, lässt manches los und merkt irgendwann, dass man zwischen zwei Heimaten lebt.
„Zwischen zwei Heimaten – wie uns Teneriffa verändert hat.“
Wenn ihr Lust habt, schaut gerne bei Teneriffa Inside vorbei und lest sie.
❤️ Und jetzt interessiert mich eure Geschichte:
Was bedeutet Heimat für euch?
Ist es der Ort, an dem ihr geboren wurdet? Der Ort, an dem ihr heute lebt? Oder sind es die Menschen, die euch begleiten?
Nicole und ich freuen uns darauf, eure Gedanken und Erfahrungen in den Kommentaren zu lesen.
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Bernd Weisser